Der lange Weg in den Eiweißmangel?
...oder warum eine Proteinzufuhr nicht nur beim Bodybuilding wichtig ist! von Peter Dreverhoff
Autor: Peter E. Dreverhoff
Manchmal dauert es etwas, um auf den richtigen Weg zu kommen.
Trotz einer Ausbildung zum Ernährungsberater und eigenen über 30-jährigen Erfahrungen im Gesundheitsbereich konnte sich bei mir der blinde Fleck zum Thema Eiweiß gut entwickeln und halten.
Ich habe tatsächlich schon unglaubliche Erfahrungen machen dürfen, wenn Menschen kurz- oder langfristig auf eine 100 %ige Rohkosternährung umgestellt haben. Mit Begeisterung durfte ich in der Keimling Akademie Tausende von Menschen dabei begleiten und konnte die Effekte dieser Ernährung auch am eigenen Körper erleben.
Alle möglichen Zivilisationsbeschwerden verschwanden größtenteils schon in einer Kur von 7 Tagen.
Da viele dieser Menschen die Rohkostwoche nur als Kur sahen, war ich besonders bei mir selbst gespannt, wie sich diese Ernährung langfristig entwickelt. Mein Asthma, beginnende Kniearthrose, Allergien und Übergewicht blieben schon mal auf Dauer weg. So wähnte ich mich auf der sicheren Seite.
Meinen Eiweißbedarf beachtete ich dabei überhaupt nicht, mir ging es gut, ich war frei von Symptomen – perfekt.
Zudem hatte ich von den Rohkostpionieren der damaligen Zeit gelernt: Wenn es einem Säugling reicht, mit nur 2 % Eiweiß in der Muttermilch die ersten 6 Monate problemlos zu wachsen und zu gedeihen, was brauche ich dann als ausgewachsener Mensch – eigentlich doch gar nichts mehr, ist doch schon alles da.
Da ich meine Rohkost überwiegend pflanzlich gehalten habe, wurde mir von der veganen Blase ebenfalls suggeriert, mit einer gesunden Ernährung bekommt man alles, was der Körper braucht. Ein wenig B12 zuführen, das war es.
Leider kam bei mir erst sehr viel später die Einsicht, dass diese Empfehlungen überwiegend auf Wunschdenken basieren. Von mir unbemerkt entwickelten sich Merkmale, die mich damals nicht beunruhigt haben bzw. die ich ausblendete. Ich bekam immer mehr einen hageren, ausgemergelten und schon fast ausgezehrten Körper, die Haut war überwiegend blass und wurde faltig mit wenig Spannung. Aber mir ging es doch gut. Im Ausdauersport, dem ich frönte, blieben meine Leistungen konstant. Also ging es mit meinen Eiweißreserven kontinuierlich weiter nach unten.
Was mir damals nicht klar war: Eiweiß ist ein sehr wichtiger Baustein in unserem Körper. Meine rohköstliche Ernährung und mein regelmäßiger Sport gaukelten mir aber vor, dass alles in Ordnung sei. Meine alten Beschwerden, die mich vor über drei Jahrzehnten zur Rohkost gebracht hatten, blieben immer noch aus.
Hier mal ein kurzer Exkurs, warum eine gewisse Proteinmenge unabdingbar ist. Wie bereits gesagt, Protein ist in der Ernährung so wichtig, weil es Baustoff, Funktionsmaterial und Regulator zugleich ist. Ohne ausreichende Proteinzufuhr kann der Körper nur unzureichend neue Zellen aufbauen, keine Enzymketten bereitstellen und wenig Muskeln sowie Knochen erhalten, geschweige denn aufbauen. Auch Haut, Nägel, Haare, Bindegewebe etc. bestehen aus Aminosäuren, zum größten Teil aus Kollagen, welches auch wieder aus Aminosäuren gebaut wird. Die wichtigen Mineralien spielen hier natürlich auch eine Rolle, aber ohne den Baustoff Eiweiß geht hier nicht viel. Zudem gibt es – nicht wie bei Fetten oder Kohlenhydraten – gewisse Speicher im menschlichen Körper, d. h. eine tägliche Zufuhr ist wichtig. Aber die Liste ist noch länger. Auch bei der Immunabwehr spielen Proteine eine wichtige Rolle. Antikörper und Hormone basieren auf Aminosäuren – wo soll das alles herkommen, wenn die entscheidenden Proteine nicht ausreichend gegessen werden?
Obwohl die Beschäftigung mit dem Thema mir immer mehr Einblicke schenkte, konnte ich einen möglichen Eiweißmangel bei mir immer noch nicht akzeptieren. Hauptsache roh, um den Rest kümmert sich dann schon mein Körper. Durch eine Blutuntersuchung wurde schließlich der Schalter in meinem Kopf umgelegt. Es ergaben sich sehr schlechte Werte bei meinem Gesamteiweiß, und auch bei den einzelnen Aminosäuren sah es nicht gut aus.
Wer mich kennt, weiß, dass ich erst einmal versucht habe, in meine Rohkosternährung mehr proteinhaltige Lebensmittel einzubauen. Schnell hatte ich meine bisherigen pflanzlichen Quellen analysiert und musste feststellen, dass diese doch überwiegend fetthaltig waren. Proteinhaltige Leguminosen wie gesprosste Erbsen, Linsen, Kichererbsen und Co. schmeckten mir nicht oder ich habe sie nicht wirklich gut vertragen. Tierische Lebensmittel – ja, auch die kann es bei einer Rohkosternährung geben – wollte ich aus ethischen Gründen vermeiden. Also merkte ich, dass mein Ziel, auf mindestens 1 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu kommen, recht schwer in der Praxis umzusetzen war.
Um die Sache nicht weiter zu verzögern, entschloss ich mich, mit einem täglichen Proteinshake eine gewisse Grundmenge an Eiweiß aufzunehmen, die dann von meiner restlichen Nahrung, die über den Tag verteilt noch hinzukommt, aufgestockt würde. Das Ganze ist extrem alltagstauglich, gut reproduzierbar, und die aufzunehmende Eiweißmenge ist sehr gut zu steuern.
Die erste Hürde begann allerdings bei der Auswahl des richtigen Produktes. Schnell musste ich einsehen, dass es die von mir gewohnte Rohkostqualität bei einem pflanzlichen Proteinpulver nicht geben kann. Alle Produkte, die mit diesem Qualitätssiegel werben, geben dazu leider keine detaillierten Infos heraus. Dazu müssen wir wieder kurz ins Detail gehen. In der Regel werden pflanzliche Proteinpulver aus dem Presskuchen, der aus der Herstellung von Kürbis-, Mandel-, Hanf- oder Sonnenblumenöl herrührt, gewonnen sowie aus isolierten Proteinen z. B. aus Erbsen, Bohnen, Lupinen oder Soja. Die Isolierung von Proteinen aus Leguminosen ist ein aufwendiger Prozess, und die abschließende Sprühtrocknung geht leider über 40 °C. In der Regel sind 70–80 °C realistisch. Ähnlich verhält es sich bei der Ölherstellung. Der Presskuchen wird selbst bei einem kaltgepressten Öl durch die starke Reibung beim Pressvorgang und beim Presskuchenausgang weit über 40 °C warm. Auch hier sind Temperaturen um die 60–70 °C üblich.
Trotz dieser Temperaturen ist es ein großer Unterschied, ein tierisches oder pflanzliches Steak aus der Pfanne oder vom Grill zu essen, da hier neben noch höheren Temperaturen weitere Co-Faktoren ins Spiel kommen. Röstaromen, die immer krebserregend sind, treten hier in Kombination mit einer Verschmelzung von denaturierten Fetten und Kohlenhydraten auf. D. h. für mich: Ich musste mich entscheiden, ob ich die Karte „pflanzliches Proteinpulver“ trotzdem spielen wollte. Auf künstliche Süßungsmittel wie Aspartam, Sucralose und Acesulfam-K wollte ich genauso verzichten wie auf Aromen, Farbstoffe, Trennmittel, Konservierungsstoffe und Co. Wenn es schon bei den Proteinen ohne Kompromisse nicht geht, dann wollte ich bei allen restlichen Zutaten die harte Tour fahren.
Darum haben wir bei Keimling Naturkost nur die reinen Proteinpulver, so natürlich wie möglich, im Programm, und jeder Kunde gestaltet sich die Aufnahme ganz nach eigenem Geschmack. Weil es aber Kunden gibt, die mit der optimalen Proteinmischung im ganz normalen Alltagswahnsinn überfordert sind, arbeiten wir an zwei Fertigmischungen mit Geschmack und – ganz wichtig – an einer Natural-Version, die dann zum Zubereiten von Aufstrichen, Kräckern, Broten, Suppen, Nicecremes, Shakes sowie Smoothies genutzt werden kann.
Einen positiven Nebeneffekt durfte ich noch erleben, als ich mich mehr auf meine Proteinaufnahme konzentrierte und dies in die Tat umsetzte. Die Sättigung tritt viel schneller ein als bei einer Kohlenhydraternährung, so wird der Blutzucker stabil gehalten und es gibt keinen Heißhunger mehr.
Von daher ein wichtiger Appell an alle, die sich jetzt angesprochen fühlen. Es geht nicht ohne Eiweiß als Baustoff und wichtiges Element in unserem Körper. In meinem Alltag auf Messen, Events und Seminaren erkenne ich mittlerweile schon die Menschen, die durch einen krassen Eiweißmangel an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und Gesundheit angekommen sind. Es ist wirklich kein Spaß und auch keine abstruse Geschäftsidee, auf diese Problematik hinzuweisen. Im Grunde geht es ums nackte Überleben und eine Zukunft, in der jeder wieder aus dem Vollen schöpfen kann.
Meine Empfehlung aus der Praxis: mindestens einen Proteinshake mit wechselndem Geschmack (es darf nicht langweilig werden) täglich. Als Orientierung: 1 g Proteinpulver pro kg Körpergewicht. Da gerade pflanzliches Proteinpulver einen Anteil von 70–80 % hat, ist dann schon mal ein Großteil der Proteinmenge sicher. Bei der weiteren Ernährung auf hochwertige Proteinquellen achten, z. B. möglichst rohköstliche Nüsse und Samen. Rohe Erdnüsse, Mandeln, Cashewkerne, Hanfsamen und Buchweizen sind z. B. gute natürliche Quellen mit einem günstigen Aminosäurenprofil. Ziel sollte es sein, am Ende des Tages bei 1,2 g bzw. bei sportlichen Menschen bei 2 g pro kg Körpergewicht durchs Ziel zu gehen. Also: Die Proteinzufuhr sehe ich ganz klar als tägliches Supplementieren, ganz nach dem Motto: Nicht nur Muskeln brauchen Proteine – es ist für das Leben selbst unabdingbar.
Einen weiteren unschlagbaren Vorteil hat ein gut abgestimmtes Proteinpulver gegenüber den Klassikern aus Molkenprotein, auch als Whey-Protein bekannt. Erstens ist die Herstellung wesentlich natürlicher und schonender. Whey-Protein ist ein echtes Kunstprodukt, ganz weit weg von der eigentlichen Milch, aus der es gewonnen wird. Dann gibt es sehr viele nützliche Begleitstoffe, die in den Keimling-Proteinpulvern von Natur aus mit an Bord sind: Ballaststoffe, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe sorgen neben der Versorgung mit diesen für eine bekömmliche, nachhaltige und natürliche Alternative zu den tierischen Produkten, die so weit isoliert sind, dass hier keine weiteren nützlichen Stoffe mitgeliefert werden. Der Produktionsaufwand für Pflanzenproteine ist ebenfalls sehr viel verträglicher für die Umwelt und nicht zuletzt weniger energieaufwendig.
Bei den kommenden Keimling-Proteinpulvern mit Geschmack gehen wir ebenfalls neue Wege. Natürlich ist es das Ziel vieler Hersteller, den Proteinanteil bei den Pulvern mit Geschmack hochzuhalten und mit Aromen, Farbstoffen sowie künstlichen und „natürlichen“ Süßungsmitteln zu jonglieren. Wir nehmen den Unterschied ganz bewusst in Kauf, denn es geht nicht darum, ein Produkt abzuliefern, welches kaum Kohlenhydrate und Fette beinhaltet. Wir haben eine ausgewogene, proteinreiche Nahrungsaufnahme im Blick – ohne Tricks und Kleingedrucktes. Es geht bei Keimling schon seit über 40 Jahren um eine gesunde Ernährung, so natürlich wie möglich. Darum ist unser Proteinpulver mit Beeren- oder Schokogeschmack mit ehrlichen Zutaten und echtem Kokosblütenzucker verfeinert – besser geht es nicht. So liefern wir neben hochwertigen Proteinen noch jede Menge Vitamine, Mineralien, Enzyme und andere bioaktive Substanzen, die wir als Geschmacksbooster nutzen.