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Vegane Schwangerschaft: Interview mit Carmen Hercegfi

Vegan und schwanger - worauf werdende Mamis achten sollten

 

 

Vegan und schwanger - passt das überhaupt zusammen? Carmen Hercegfi beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja! Die Mutter von zwei Jungs hat mit ihrem zweiten Kind eine vegane Schwangerschaft erlebt.

Im Keimling-Interview erzählt die Ernährungsberaterin und Bloggerin von dieser besonderen Zeit: Heißhunger, Übelkeit, Supplementierung und auch Kritik von außen. Carmen Hercegfi gibt einen offenen und ehrlichen Einblick in ihre Schwangerschaft und gibt wertvolle Tipps für werdende, vegane Mütter.

Tipp: Im zweiten Teil des Interviews spricht Carmen Hercegfi über ihre Erfahrungen mit Baby-led weaning, der vom Baby selbstbestimmten Entwöhnung von der Milch zur festen Nahrung.

 


Hier können Sie das Interview nachlesen:

 

Verena: Liebe Carmen, Wir sprechen heute über deine vegane Schwangerschaft. Deinen zweiten Sohn hast du im Februar zur Welt gebracht, den kleinen Yannik – putzmunter und gesund.

Das war deine erste vegane Schwangerschaft. Bei deinem ersten Sohn warst du noch omnivor und hast alles gegessen. Jetzt interessiert mich und die Zuschauer natürlich, was ist der Unterschied gewesen bei den beiden Schwangerschaften?

Carmen Hercegfi mit ihrem Sohn YannikCarmen Hercegfi: Also, interessanter Weise gab es fast keinen Unterschied. Was ja aber auch schon mal sehr positiv ist, weil die vegane Ernährung ja immer so als „Das funktioniert nicht und das ist alles negativ“ hingestellt wird. Von meinem Körpergefühl und der Gewichtszunahme gab es eigentlich keine großartigen Unterschiede. Also, ich hatte die Übelkeit, die war völlig gleich.

Gut, ich hatte das Gefühl, es war in der ersten Schwangerschaft noch ein bisschen schlimmer, aber es sind nun auch zehneinhalb Jahre Unterschied zwischen den beiden Kindern. Das kann ein bisschen mehr gewesen sein. Grundsätzlich war ich natürlich viel entspannter. Ich weiß nicht, ob das Vegane was damit zu tun hat. Ich bin ein bisschen älter und ich hab es schon einmal mitgemacht. Ich glaube, dass das eher der Hintergrund war.

Verena: Wie hat dein Umfeld auf die vegane Schwangerschaft reagiert? Gab es kritische Stimmen und wie bist du mit diesen umgegangen?

Carmen Hercegfi: Interessanter Weise hatte ich persönlich diesbezüglich kaum Schwierigkeiten. Ich krieg es viel mit in meinen veganen Mami-Gruppen, auch bei Facebook oder auf meinem Blog, dass das ein riesen Thema ist für viele.

Bei mir lag ja die Umstellung schon einige Jahre zurück. Ich glaube, sechs Jahre war ich schon mit der veganen Ernährung unterwegs. Und ich hab die Krisen mit meinem Umfeld schon vorher durchgehabt.

Der Vitamix TNC 5200 ist in Carmen
Hercegfis Küche unverzichtbar
Ich hatte zwei oder drei Leute, die angemerkt haben: „Die vegane Ernährung funktioniert jetzt aber so nicht mehr, wenn du schwanger bist.“ Und dann hab ich einfach ganz ruhig geantwortet: „Doch. Man muss halt einfach auf ein paar Sachen achten.“ Und dann war es kein Thema mehr. Ich hab dann gesagt, ich hab mich schon damit auseinandergesetzt – und dann war es gut.

Verena: Du hattest in der Schwangerschaft bestimmt zwischendurch auch kulinarische Gelüste. Worauf hattest du denn große Lust? Hattest du Lust auf nicht veganes Essen und was hast du für Tipps für werdende Mamis, die auch zwischendurch mal Lust haben auf Currywurst-Pommes?

Carmen Hercegfi: Grundsätzlich denke ich, man soll sich nicht stressen. Der Stress ist ja auch Gift für den Körper. Ich hatte Gelüste. Ich hab sie Wandergelüste genannt, weil es war mal den einen Tag dies und den anderen Tag das. Manchmal hielt das für ein paar Tage an.

Es war ja letztes Jahr im Sommer, ich hatte die Erdbeerzeit ganz extrem. Ich hätte Pfirsiche essen können ohne Ende. Und ich hatte durch die Übelkeit auch mal einen Tag dabei, also ich bin dann aufgestanden, mir wurde übel, und je länger man nichts gegessen hat, desto schlimmer wurde die Übelkeit.

Carmen Hercegfis Lieblingssalat: Quinoa mit Mango, Avocado, Zitronensaft und Leinöl

Man muss ja für den Kreislauf und den Blutzucker dann ganz schnell irgendwas tun und ich wusste aber nicht was. Und ich dachte, egal was ich esse, mir wird total schlecht. Mir hat dann immer ganz gut auch ein Porridge geholfen. So eine kleine Portion Porridge, ohne Süße, ohne was, nur mit Wasser gemacht.

Ich hatte auch so Tage, da sagt mein Freund zu mir: „Jetzt musst du doch was essen“ und ich „Ja, ich weiß aber nicht was“. Und er „Jetzt sag mir, was du willst“ und ich so „Okay, Schokomuffin und Erdbeeren“.

Ich hatte auch so Tage, da sagt mein Freund zu mir: „Jetzt musst du doch was essen“ und ich „Ja, ich weiß aber nicht was“. Und er „Jetzt sag mir, was du willst“ und ich so „Okay, Schokomuffin und Erdbeeren“.

Schokomuffins gibt es ja super in vegan, aber wenn du jetzt so Hunger hast und denkst, du kannst nichts anderes essen. Dann musste er halt schnell um die Ecke und irgendwo beim Bäcker einen Schokomuffin holen. Und der war dann nicht vegan. Aber ich hätte nichts essen können, ich war kurz vorm Umkippen, kurz davor, mich zu übergeben.

Carmen Hercegfi verwendet das
Sedona Classic Rohkost Dörrgerät
Das war so in diesen ersten drei Monaten. Und da hab ich mir dann auch gesagt, gut, dann ist es jetzt so. Sollte das jetzt mal irgendwie so eine Currywurst sein, da muss halt jeder für sich selbst überlegen, ob er damit umgehen kann. Weil wenn man sich danach mehr Stress macht, ist das auch blöd. Aber wenn man jetzt total gestresst ist, wenn man jetzt wirklich eine Woche nur Bock auf Currywurst hat und sich das verkneift, ist das ja auch nicht wirklich cool.

Das einzige, was man noch machen kann, ist zu überlegen, was ist in dieser Currywurst, was mein Körper braucht? Weil oft ist es so, und das hab ich in der Schwangerschaft erlebt, dass der Körper viel stärker Signale gibt, was oder was nicht.

Häufig kann man das einfach aushebeln, wenn man einfach sagt, welche Nährstoffe hab ich da drin, worauf jankert mein Körper? Ist es jetzt nur das Fett oder ist es Eisen? Und kann ich dann irgendwas anderes mit den Nährstoffen in vegan verstärkt zu mir nehmen, dass der Körper dann auch wirklich Ruhe gibt? Das hat bei mir ganz gut geholfen, als ich mal so einen Käsejanker hatte.

Verena: Wie hast du denn den Käsejanker gelöst?

Die hochschwangere Carmen Hercegfi beim GemüsekaufCarmen Hercegfi: Ich hab geguckt, dass ich gute Eiweißkombinationen hab und hab mir dann Hafermilch mit Kalzium zugeführt. Und ich hab mir noch mal ganz viele Artikel über Käse durchgelesen (lacht). Dann hatte ich ganz viel Angst, ob da vielleicht echtes Lab drin ist oder ob das mikrobielle Lab vielleicht doch nicht nur mikrobiell ist. Das hat mir dann geholfen.

Verena: Worauf musstest du während der Schwangerschaft achten, damit du dir und Yannik auch genügend Nährstoffe zuführst? Hast du supplementiert und, wenn ja, womit?

Carmen Hercegfi: Ich hab in den ersten drei Monaten dadurch, dass die Schwangerschaft nicht geplant war und ich vorher ein paar Wochen in Afrika war, da war ich schwanger und du weißt ja, du musst total auf Folsäure aufpassen. Wenn man sich jetzt wirklich frisch und rohvegan ernährt oder gesund und abwechslungsreich vegan, hat man eigentlich mit Folsäure gar nicht so ein Problem. In der Regel sind Veganer viel, viel besser mit Folsäure versorgt.

Aber, es war nicht geplant, ich war in Afrika. In Afrika kannst du Früchte super roh essen. Salat eher weniger, weil du hast auch ein Problem mit dem Waschen, weil die haben kein sauberes Leitungswasser. Und Folsäure ist ja total hitzeempfindlich. Alle Sachen, die da irgendwie schon stundenlang durchgekocht sind, da ist nichts mehr drin.

Und dann habe ich gesagt, okay, dann ist jetzt die Frage, hole ich mir ein Folsäureprodukt oder hole ich mir so ein komplexes Schwangerschaftsvitamin. Dann dachte ich, dadurch, dass es nicht geplant war und ich wirklich nicht weiß, wie im Moment mein Status aussieht und ich aber schon in der siebten Woche war, hab ich mir dann so ein komplexes Schwangerschaftsvitamin geholt, was noch ein bisschen mehr abdeckt.

Ich presse meinen frischen Saft
mit der Solostar Saftpresse
Das hab ich aber nur bis Ende dritten Monat gemacht, bis die Packung dann leer war. Und dann hab ich halt supplementiert mit dem, was man halt auch sollte: B12 und dann ab dem Herbst auf jeden Fall auch Vitamin D. Das ist ja das, was eigentlich immer fehlt. Und das ist aber auch für die Kinder enorm wichtig.

Und ansonsten hab ich dann irgendwann in der zwanzigsten Woche einen Status gemacht beim Gynäkologen. Da wird das Eisen kontrolliert und dann hab ich mal geguckt, wie sieht es aus mit Zink, wie sieht es aus mit B2, B6, Folsäure noch mal angeguckt, Jod und so weiter.

Hab wirklich so diese ganze Palette von den kritischen Vitaminen von Veganern und Mineralstoffen und das, was sozusagen auch ganz besonders wichtig ist in der Schwangerschaft, abgeglichen. Das war alles in Ordnung, weil ich auch supplementiert hab.

Das einzige, worauf man wirklich achten soll, ist ja auch das Eisen. Und da ist bei mir auch irgendwann der Eisenwert im Keller gewesen. Das war aber auch bei der ersten Schwangerschaft so. Ich habe insgesamt nur ein bisschen weiter unten angefangen.

Veganer sind ja immer so ein bisschen im unteren Bereich, der aber noch okay ist von der Eisenversorgung. Ich bin halt ein bisschen weiter unten gestartet und hab dann einfach, als ich gemerkt hab, der geht nach unten, angefangen mit solchen Eisensäften. Weil die Tabletten finde ich ganz gruselig. Und dann eben die Eisensäfte ab und zu mal genommen. Das hat völlig ausgereicht.

Verena: Du hast es vorhin schon gesagt, dass du auch Phasen hattest, wo dir sehr übel war. Hast du Tricks angewendet, dass du dich und dein Kind auch mit allem Nötigen versorgen konntest?

Yannik sitzt beim Interview auf Carmen Hercegfis Schoß und lacht fröhlichCarmen Hercegfi: Als es mit der Übelkeit dann anfing, fühlte ich mich immer noch relativ gut, weil ich wusste, ich hab jetzt zumindest dieses Schwangerschaftsvitamin. Und ansonsten habe ich dann auch immer versucht, es so gut wie möglich zu machen. Aber in den ersten drei Monaten, wenn einem übel ist, da kann man froh sein, wenn man überhaupt was essen kann.

Aber, man kann alle beruhigen, da passiert dann in der Regel auch nichts, wenn die Schwangerschaft auch weiter besteht und alles gut ist. In den ersten drei Monaten verzeiht der Körper einem das. Das Kind ist ja noch ganz, ganz miniklein und es wird ja erst mal alles angelegt und das Wachstum kommt ja erst später. Und da hat man in der Regel dann Zeit.

Und auch die Frauen, die Hyperemesis gravidarum, das ist diese extreme Form der Schwangerschaftsübelkeit, die sind dann ja sowieso in ärztlicher Behandlung und sind ja manchmal auch stationär im Krankenhaus. Auch die bringen in der Regel gesunde Kindern zur Welt. Man hat ja auch Reserven im Körper und die werden natürlich angezapft.

Es ist in der Schwangerschaft zum einen natürlich das Kind, das versorgt sein muss. Es zieht sich im Zweifelsfall aber ganz viel aus dem Körper der Mutter. Das geht in erster Linie an die Reserven der Mutter, da muss man dann echt gucken und es immer wieder so gut wie möglich machen.

Die Stolpersteine, abgesehen von der Übelkeit, was sich gemerkt habe, ist dieser extreme Hunger auf Kohlenhydrate, auch schnelle Kohlenhydrate. Weil der Blutzucker wirklich ganz schnell abklappt. Wenn man dann mal nüchtern zum Arzt muss zum Test auf Schwangerschafts-Diabetes – der Tag war für mich der Horror, weil du vorher nichts essen durftest.

Man kennt es ja, wenn man um neun eine Blutabnahme hat und man isst eigentlich um sieben, dass man schon sagt „Boah…“. Und das ist in der Schwangerschaft mal hundert! Ich fand das total extrem, dann nicht zu essen und da ist der Kreislauf auch total im Keller.

Und dieser Hunger auf Kohlenhydrate, also das irgendwie hinzukriegen. Ich hatte es ganz oft, dass mir grüne Smoothies nicht gereicht haben. Zusätzlich ja, aber ganz oft, wenn ich diese grünen Sachen gesehen habe, dachte ich, ich will noch was anderes, ich brauch noch was. Aber das ist bei jedem vielleicht auch unterschiedlich, was der Körper dann sagt.

Liebe Carmen, vielen Dank für das nette Interview!

Schauen Sie sich auch den zweiten Teil des Interviews an, in dem Carmen Hercegfi von ihren Erfahrungen mit Baby-led weaning spricht.